25. Oktober 2014

Islamischer Staat setzt chemische Waffe gegen Kobanê ein

Am Mittwoch gegen 22.30 Uhr teilte die Co-Vorsitzenden der Partei der Demokratischen Einheit (PYD) Asya Abdullah aus Kobanê mit, dass der Islamische Staat (IS) eine chemische Waffe eingesetzt hat. „Sie haben eine chemische Waffe abgefeuert, die im Osten der Stadt eingeschlagen ist. Durch das Gas, das aus dieser Waffe entweicht, können die Menschen im Umfeld des Einschlags nicht mehr sehen, nicht mehr atmen und werden ohnmächtig“, erklärte Abdullah. Berichten zufolge kam es zu keiner Explosion. Die Menschen nahmen einen eigenartigen Geruch wahr, der sich zunehmend ausbreitete. Augen und Halsbereich fingen bei Betroffenen an zu brennen. Es kam zu Übelkeit. Bei einigen Menschen traten Ausschläge und Schwellungen auf. Der Angriff erfolgte in einem östlich liegenden Stadtteil im Zentrum von Kobanê, in dem bislang noch keine Gefechte stattgefunden hatten. 30 Menschen, darunter ZivilistInnen, waren davon betroffen. Glücklicherweise ist bis heute keiner der Betroffenen gestorben.

 

Der BBC Korrespondent Güney Yildiz erfuhr am Mittwoch gegen Mitternacht von einem Arzt aus Kobanê, dass die Symptome, die er bei den Betroffenen sah, auf den Einsatz von chemischen Waffen deuten. „Wir wissen nicht genau, um was für eine Waffe es sich handelt. Es könnte eine chemische Waffe sein, es könnte Chlorgas oder Phosphor sein, das eingesetzt wurde. Doch uns fehlt das nötige Equipment, um das abschließend feststellen zu können“, so der Arzt aus Kobanê. Experten aus der Bundesrepublik und den USA sagten nach Schilderung der Symptome, dass es sich bei der chemischen Substanz am ehesten um Chlorgas gehandelt haben könne. Chlorgas führt zu den beschriebenen Symptomen und ist nicht notwendiger Weise tödlich, wie z.B. Sarin oder Senfgas. Je nach Konzentration ist Chlorgas tödlich – oder es können momentane Symptome bis hin zu Spätfolgen auftreten. Im September hat der IS Berichten zufolge schon einmal Chlorgas nahe Faludscha eingesetzt – ca. 300 irakische Soldaten starben. Chlorgas kann auch relativ leicht aus chemischen Produkten extrahiert und in Waffen gefüllt werden.

„Der berichtete menschenverachtende Einsatz eines allen bisher erhaltenen Informationen zufolge chemischen Kampfstoffes in Kobanê durch den IS muss aufgeklärt werden. Eine Delegation von Experten sollte umgehend feststellen, um welche Art von Kampfstoffen es sich gehandelt hat“, betont der Soziologe und Menschenrechtler Martin Dolzer.

„Dem Islamischen Staat ist leider jedes Kriegsverbrechen zuzutrauen. Ich sehe hier auch die Bundesregierung in Verantwortung, sich um die Opfer eines möglichen Giftgaseinsatzes zu kümmern - schließlich haben deutsche Firmen maßgeblich das syrische Chemiewaffenprogramm unterstützt“, so Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.  

„Die türkische Regierung ist aufgefordert umgehend ihr Doppelspiel zu beenden. Grenzen müssen für Kämpfer und Waffen des IS geschlossen werden. Die Regierung Erdogan/Davotoglu täte gut daran die Selbstverwaltung in Kobanê und die YPG als demokratischen Akteur anzuerkennen und den Friedensprozess mit der PKK fortzusetzen, anstatt mit den Kriegsverbrechern des IS zusammen zu arbeiten“, erklärt Dr. Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschuss Friedensratschlag.

Ulla Jelpke, MdB DIE LINKE
Harald Weinberg, MdB DIE LINKE
Barbara Cárdenas, Mitglied des hessischen Landtags, DIE LINKE
Dr. Peter Strutynski, Bundesausschuss Friedensratschlag
Hamide Akbayir, Stadträtin Köln, DIE LINKE
Marion Padua, Stadträtin Nürnberg, Linke Liste
Britta Eder, Rechtsanwältin
Martin Dolzer, Soziologe und Menschenrechtler
Yilmaz Kaba, Föderation der Ezidischen Vereine e.V.
Bundesarbeitskreis "Demokratie in der Türkei, Frieden in Kurdistan" BAK-DTFK, DIE LINKE

 

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